Über diesen Blog

Die 56 Quadratmeter, die den Laden meiner Eltern beherbergen, sind für mich mehr Zuhause als viele Orte davor oder danach. Sie sind ein Relikt einer Identität, die so heute nicht mehr existiert. Sie ist eine Brücke zwischen zwei Kulturen, zwei Identitäten. Ein Stück Kathmandu mitten in Hamburg.

In Berlin, Frankfurt oder Paris mag es Läden wie unsere geben, denn dort gibt es Menschen, mit ähnlichen Biographien und Erfahrungen, doch erzählt jeder seine ganz eigene Geschichte.

Und so ist EVEREST, das Geschäft meiner Eltern, benannt nach dem Berg, benannt nach Sir George Everest – einem britischen Geographen während des Kolonialismus – keine Brand – sondern erzählt meine Geschichte, die meiner Familie und die eines vergangenen Lebens.

Wie viele kleine und große Dinge, ein Fotoalbum oder ein Studentenausweis bspw., eine ständige Erinnerung an das, wasverloren ging und was wiedergefunden wurde.

Wer vier Stunden am Tag (zehn Jahre auf ein ganzes Leben hochgerechnet) mit Videoinhalten auf Instagram oder TikTok verbringt, geht mit seiner Zeit und Aufmerksamkeit nicht gerade sorgsam um.

Baut man wirklich eine Community auf, indem man das verdiente Geld in Werbung steckt und den Menschen von Achtsamkeit erzählt, während dieselben Algorithmen der milliardenschweren Konzerne das Gegenteil bewirken? Unserer Achtsamkeit, unserer Ruhe, aber auch unserer Umwelt schaden?

Selbstfürsorge und Achtsamkeit sind keine Waren. Historisch ist Selbstfürsorge  ein Akt des Widerstands gegen ausbeuterische Dynamiken in unseren Gesellschaften.

Wir wollen strahlen, nicht indem wir den Herstellungsprozess effizienter gestalten oder Klangschalen in Nepal massenhaft produzieren. Sondern indem wir Geschichten erzählen, Geschichten von Objekten, von uns, von einem vergangenen Leben, von einem Ort, den es so nicht mehr gibt. Orte, die in unserem Alltagstrott schlicht unerreichbar sind.

Geschichten, die auch wir teilweise nur anhand von Bildern rekonstruieren können.

Das Schaufenster, dass sich seit 30 Jahren nicht groß ändert, ist die Antithese zu der Informationsflut im Netz. Es ist zwar immer noch ein Schaufenster, aber irgendwie auch ein Akt des Widerstands.